Titel:Görlitzer Park – Zäune gegen Zustände

Unterzeile:
Die Berliner Politik reagiert mit Absperrung auf ein komplexes soziales Problem. Dabei zeigen internationale Beispiele: Es ginge auch anders – wenn man wollte.


Einleitung:
In Berlin-Kreuzberg ist ein Park zur Projektionsfläche geworden: für Ängste, Konflikte und politische Erschöpfung. Der Görlitzer Park, oft einfach nur „Görli“ genannt, ist seit Jahren bekannt für offenen Drogenhandel, Polizeieinsätze und eine zerstrittene Öffentlichkeit. Nun wurde ein Zaun gebaut, der das Areal nachts schließen soll. Die Maßnahme sei notwendig, heißt es von offizieller Seite – zur Sicherheit und zum Schutz. Doch was genau soll hier eigentlich geschützt werden – und vor wem?

Ein Zaun als politische Beruhigungspille:
Die Errichtung eines Zauns rund um den Park ist weniger Lösung als Signal. Er vermittelt Handlungsfähigkeit, während die Ursachen des Problems unangetastet bleiben. Die Berliner Landespolitik steht unter Druck, Ergebnisse vorzuweisen – nicht zuletzt angesichts zunehmender öffentlicher Unzufriedenheit und medialer Aufmerksamkeit. Der Görlitzer Park wird zur Bühne, auf der sich das Bedürfnis nach Ordnung mit einem sichtbaren Symbol bedienen lässt.

Ein internationales Phänomen – mit Alternativen:
Offene Drogenszenen sind kein Berliner Unikum. Städte wie Zürich, Vancouver oder Lissabon standen vor ähnlichen Herausforderungen – und haben andere Wege gewählt.

In Zürich wurde nach der gewaltsamen Räumung des sogenannten „Needle Parks“ ein umfassendes Modell entwickelt, das auf Drogenkonsumräume, Substitutionstherapie und soziale Betreuung setzt. In Vancouver orientiert sich der städtische Ansatz an einem Vier-Säulen-Modell: Prävention, Behandlung, Schadensminderung und Repression greifen dort ineinander. In Lissabon wurde der Besitz geringer Drogenmengen entkriminalisiert – begleitet von einer massiven Ausweitung psychosozialer Angebote.

Allen Modellen ist gemein: Sie betrachten Konsumierende nicht als Feindbild, sondern als Teil einer Lösung. Repression allein, so die Lehre, reicht nicht.

Berlin bleibt zögerlich:
Während andere Städte integrierte Konzepte umsetzen, setzt Berlin auf kurzfristige Symbolpolitik. Der Zaun am Görlitzer Park steht exemplarisch für diesen Ansatz. Er mag das Gefühl von Kontrolle erzeugen – doch weder verhindert er Drogenhandel, noch löst er die sozialen Konflikte im Umfeld. Die Szene verlagert sich, das Problem bleibt.

Was stattdessen nötig wäre:
Ein nachhaltiger Ansatz müsste mehrdimensionale Antworten liefern. Dazu gehören: niedrigschwellige Hilfsangebote, rechtlich geschützte Konsumräume, gezielte aufsuchende Sozialarbeit sowie ein differenzierter Umgang mit Migration und Aufenthaltsstatus. Die Polizei allein wird dieses Problem nicht lösen – ebenso wenig wie ein Zaun.

Fazit:
Der Görlitzer Park ist ein Spiegelbild städtischer Versäumnisse und politischer Unentschlossenheit. Der Versuch, komplexe soziale Fragen durch bauliche Maßnahmen zu regeln, ist zum Scheitern verurteilt. Andere Städte zeigen: Es gibt Alternativen. Es braucht nur den Willen, sie auch umzusetzen.

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